Tara. Eine ungewöhnliche Begegnung

An einem kühlen Wochenende im März machte ich mich auf den Weg zum bayrischen Ammersee. Der See zeigte sich genauso unberechenbar und vielseitig, wie Ulli Olvedi: sanft, stürmisch und klar. Die bekannte Buchautorin, eine authentische Frau über 70, leitete in der idyllisch gelegenen Akademie Aidenried ein zweitägiges Tara – Meditationsseminar, zu dem ich mich vor einem halbem Jahr angemeldet hatte. Wieso, wusste ich nicht genau. Irgendetwas zog mich dort hin und ließ mich 8 Stunden Zugfahrt im schwangeren Zustand auf mich nehmen. Keine leichte Übung!

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Yoga und die Kraft der Gefühle

Yoga ist eine ganzheitliche Praxis, die alle Ebenen unseres Seins einschließt. Unsere Gefühle erscheinen uns dabei besonders schwer greifbar, hoch sensibel und zuweilen unkontrollierbar. Ein weit verbreiteter Mythos zum Thema Gefühle besagt, dass diese irrational und unverständlich sind. Das zeigt sich schon darin, dass wir den Begriff „Gefühl” sehr vage verwenden — und zwar für so ziemlich alles, was sich dem rationalen Verständnis entzieht. „Ich habe das Gefühl, dass du mich anlügst” ist ein klassisches Beispiel solch schwammiger Aussagen. Doch wofür haben wir Gefühle eigentlich? Sind sie wirklich so unlogisch und vielleicht sogar unpraktisch wie gemeinhin angenommen? Oder verbirgt sich hinter unseren emotionalen Wogen vielleicht eine geheime Logik, eine unsichtbare Gesetzmässigkeit, die wir bislang schlicht noch nicht entdeckt haben?

Ein Text von Vivian Dittmar & Lisa Sintermann…

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Über ästhetische Erfahrungen in Kunst und Yoga

Elena Brower vor Pipilotti Rist’s „Pour Your Body Out (7354 cubic meters)“ im Museum of Modern Art, New York, 2009. Videostill, Michael Rothman
Elena Brower vor Pipilotti Rist’s „Pour Your Body Out (7354 cubic meters)“ im Museum of Modern Art, New York, 2009. Videostill, Michael Rothman

Immer häufiger nehmen Yogaklassen in Ausstellungsräumen Einzug. Die New Yorker Yogalehrerin Elena Brower, Gründerin von Virayoga, unterrichtete 2009 in den Hallen des Museum of Modern Art und ließ sich vor Pipilotti Rist’s Videoarbeit „Pour Your Body Out (7354 cubic meters)“ filmen, wie sie anmutig von Asana zu Asana schwebte.[1] Sharon Gannon und David Life gründeten in den 1980er Jahren Jivamukti Yoga und erklärten Yoga zu einer Kunstform.[2] Ihr dynamisch-musikalischer Stil prägt die internationale Yogaszene bis heute. Im Hamburger Y8-Studio werden Ausstellungs- und Yogapraxis als voneinander unabhängige und in sich geschlossene Systeme gegenübergestellt. Das Yogi- und Künstlerpaar Benita-Immanuel Grosser lehrt traditionelles Sivananda Yoga in raumgreifenden Installationen renommierter Konzeptkünstler wie Katharina Grosse, Carl Andre oder Lawrence Weiner.[3]

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Gedanken zu… Stille

Gedanken zu Stille
Der Pianist David Tudor betritt die Bühne, auf der ein Klavier steht. Er schießt den offen stehenden Klavierdeckel und die Zuschauer hören den Klang des sanften Aufpralls. Es folgen 33 Sekunden Stille, bevor Tudor den Klavierdeckel weitere zwei Mal öffnet und schließt. Mehr geschieht nicht in John Cages Musikstück 4’33 (Four minutes, thirty-three seconds) das 1952 in Woodstock uraufgeführt wurde und in die Geschichte der Musik einging. In dem Stück wurde keine einzige Note gespielt. Nur der Rhythmus des Klavierdeckels unterbrach die aufkommende Stille, wie der Gong einer Meditation.

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Lasst uns mehr Schwäche zeigen!

Lisa Shavasana

At some point I realized that no amount of yoga practice or perfection in yoga practice will shield me from suffering. Suffering will happen. My body will change, people will come and go. The only solution is to expand the container – to make myself bigger than my suffering. (Katchie Ananda) [1]

Wir kennen sie alle, die unzähligen Bilder überflexibler Frauen in den tiefsten Yogaposen. Menschen, die unerschütterlich glücklich und gesund wirken, schmücken die Titelblätter der Yogazeitschriften. Wir schlagen Fachbücher auf und sehen indische Meister in den wildesten Verrenkungen. Zu Weilen entsteht der Eindruck, im Yoga gehe es vor allem um die perfekte Körperbeherrschung.

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Über die Liebe zweier Berufungen: Yoga und die Künste

Marijana Savovska in Tanztheaterproduktion „Höchst Motiviert“ von Regina Semmler, Theater Belaqua, Wasserburg, 2011. Fotos: Heidi Schmidinger.
Marijana Savovska in Tanztheaterproduktion „Höchst Motiviert“ von Regina Semmler, Theater Belaqua, Wasserburg, 2011. Fotos: Heidi Schmidinger.

Immer wieder begegnen mir Yogalehrerinnen, die gleichzeitig Tänzerinnen, Performance- oder Konzeptkünstlerinnen sind. Musiker, Schauspieler, Designer oder Autoren, die neben ihren künstlerischen Tätigkeiten Kundalini-, Jivamukti- oder Anusara Yoga unterrichten, gibt es fast schon wie Sand am Meer. Bekannte Persönlichkeiten gehen mir durch den Kopf: Sharon Gannon und David Life, Dechen Thurman, Elena Brower, MC Yogi. Wie sieht es aus, wenn Yogalehrer Künstler sind und umgekehrt? Drei Kurzporträts über unterschiedlichste Menschen, die beide Leidenschaften auf inspirierende Weise vereinen..

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Traum-Yoga. Eine Reise in die Welt des Unbekannten

Traumyoga 2

Zum ersten Mal erfuhr ich über Traum-Yoga auf viertausend Metern Höhe im nordindischen Himalaya. Wir waren gerade dabei, ins Tal hinabzusteigen. Der Pfad ist steinig, uns beißt heiße Sonne und streift kalter Wind. Die bunten Gebetsflaggen am Wegesrand flattern. Nawang geht strammen Schrittes voran. Unser einheimischer Freund in roter Robe ist tibetisch-buddhistischer Mönch und die Schwindel erregende Höhe gewöhnt. Langsam kommen wir in jener abgelegenen Einsiedelei an, in der er sechs Jahre in Stille verbrachte.

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