Bleibe Dir selbst treu

Bleibe Dir selbst treu

Während der Stundenvorbereitung für meine Klasse am Samstag hielt ich einen Moment inne und blickte zurück auf meine eigene Asanapraxis. Was hat sich in den letzten Jahren getan, was ist passiert?

Hinter mir liegen Schwangerschaft, Geburt und Elternzeit. Mein Leben hat sich stark verändert und meine Asanapraxis mit mir. Schon vor der Schwangerschaft entdeckte ich, wie gut es mir tat, sanftes Yoga zu üben. Diesen Weg ging ich mit wachsendem Bauch weiter. Auch nach der Geburt suchte ich auf meiner Yogamatte vor allem Entspannung, denn mein Alltag mit Baby war herausfordernd genug! Ich praktizierte einfache Element Yin Yoga Haltungen, aber integrierte das Catienica Beckenbodentraining, das ich in meinem Rückbildungskurs gelernt hatte. Ich experimentierte damit, mich in jeder noch so sanften Haltung vom Beckenboden und den Bauchmuskeln her aufzuspannen. Auf diese Weise stellte ich mit der Zeit die Haltemuskulatur in meinem Körper wieder her. Erst jetzt kommen all die fortgeschrittenen Asanas zurück, die ich früher übte. Plötzlich fallen sie mir wieder ein und ich möchte gar nicht mehr aufhören, zu schwitzen und zu balancieren.

Unsere Asanapraxis darf sich im Wandel befinden

Unser Leben befindet sich im Wandel. Nichts ist immer gleich und auch unsere Asanapraxis nicht. Sie darf sich je nach Lebensphase – und Tagesform – verändern. Im Buddhismus ist es „Das Gesetz des Wandels“, im Hinduismus sind es „Die fünf Handlungen Shivas“ die besagen, dass alles Lebendige einer ständigen Veränderung unterliegt. Das Leben verläuft in Zyklen und in Phasen. Sich dagegen zu Wehren, bringt nur Leid mit sich, so die Yogaphilosophie. Statt dessen können wir akzeptieren, dass nichts ewig währt und den Moment voll und ganz ausschöpfen.

Herausforderung oder Überforderung?

Für die eigene Asanapraxis bedeutet das: Wir müssen nicht immer die gleichen Leistungen erbringen oder alten Idealen folgen! Wenn wir in jedem Moment auf unsere aktuellen Bedürfnisse hören und danach handeln, bleiben wir uns selbst treu. Wenn wir uns herausfordern, aber nicht überfordern, erfahren wir am Ende einer Yogastunde inneren Frieden und einen Schub an Kraft und Energie. Wir haben uns nicht ausgebrannt oder verbogen, sondern sind in jedem Augenblick authentisch geblieben.

Achte auf Deine Grenzen

Als Yogaschüler müssen wir nicht allen Vorschlägen des Lehrers folgen und uns erst recht nicht mit den anderen Menschen im Raum vergleichen. Statt dessen, spüre ehrlich in Dich hinein (Element Raum) und gehe in jeder Asana nur so weit, wie es Dir gut tut. Wenn Du Schmerzen bekommst oder nicht mehr tief und voll atmen kannst, bist Du über Deine Grenzen gegangen. Dann komme wieder aus der Haltung heraus, ruhe Dich aus oder übe eine Variante. Jede Asana lässt sich in der Regel je nach Level und Konstitution abstufen. Keine Variante ist besser oder schlechter, leichter oder schwerer als die andere!

Übe Deine eigenen Varianten

Es ein Zeichen von Fortgeschritten Sein, wenn Du nach Deinem eigenen Ermessen übst, anstatt allen Anweisungen zu folgen. Es gibt eine Reihe an Varianten, die Du selber während eines angeleiteten Gruppenunterrichts einbauen kannst, ohne dass Du aus dem Fluss geräts oder andere störst. Mir liegt diese Art des feinfühligen und selbstbestimmten Übens sehr am Herzen und ich möchte jeden dazu ermutigen.

5 Tipps für individuelles Üben in der Gruppe

  • Wenn Dich die Kraft während des herabschauenden Hundes oder im Sonnengruß verlässt: Pausiere für ein paar tiefe Atemzüge in der Kindeshaltung. Komme dafür in den Vierfüßlerstand, bringe die Knie Mattenbreit auseinander und schiebe Dein Gesäß Richtung Fersen. Lass Deinen Oberkörper sinken. Bringe die Stirn zu Boden oder lege sie auf Deinen Händen ab.
  • Wenn es Dir zu wacklig oder anstrengend im (verdrehten) Ausfallschritt oder Helden wird: Bringe Dein hinteres Knie zu Boden. Schlage dafür eventuell Deine Matte um oder lege eine gefaltete Decke darunter, wenn Dir der Druck auf dem Knie zu hoch ist.
  • Wenn Arme, Schultern oder Nacken in der Bretthaltung verkrampfen: Sinke zu Boden, in dem Du erst die Knie absetzt und dann den Rest des Körpers folgen lässt. Pausiere ein paar Atemzüge im Liegen auf dem Bauch. Lege Deinen Kopf auf Deinen Handrücken ab.
  • Wenn Du den Krieger 2 nicht mehr länger halten kannst, drehe den vorderen Fuß einwärts und komme in die gegrätschte Vorbeuge. Lehne dafür den Oberkörper nach vorne, bringe den Kopf Richtung Boden, setzte die Fingerspitzen auf und halte eine leichte Muskelspannung in den Beinen aufrecht, so dass sich die Dehnung in den Oberschenkelrückseiten gleichmäßig verteilt.
  • Nutze wann immer Du möchtest Blöcke, Decke und Gurte als Hilfsmittel für Deine Praxis. Besonders in sitzenden Vorbeugen ist es hilfreich, sich auf eine Decke zu setzen, so dass Du Deinen unteren Rücken leichter aufrichten und vorbeugen kannst. Blöcke lassen sich besonders gut unter die Knie legen oder sie stützen Deinen Kopf. Gurte dienen als Armverlängerung in Verdrehungen oder intensiven Beindehnungen.

Werde kreativ und richte Dich so ein, dass Du jede Asana nach deinem Level, schmerzfrei und mit vollem Atem üben kannst. Auf diese Weise kräftigst und dehnst Du Deine Muskeln viel mehr, als wenn Du Dich in Haltungen hineindrückst. Denn bei Überlastung verkrampft die Muskulatur um die Gelenke herum und zieht sich zusammen, anstatt sich auszuweiten.

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Üben!

 

 

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