Sich gut fühlen ist eine Entscheidung

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Es gibt nur wenige Bücher, die mein Leben verändert haben, aber dieses hat es gatan: „The Universe Has Your Back“ von der US amerikanischen Bestseller-Autorin Gabrielle Bernstein. An Hand ihrer eigenen Biografie beschreibt Bernstein eindrücklich, wie wir einen Weg aus unseren Ängsten finden können und statt dessen ein Leben führen, in dem wir uns sicher und geführt fühlen, egal was passiert.

Während ich das Buch las und ihre Meditationen, Freewritings und Affirmationen übte, geschah wundersames. Ich strengte mich weniger an und die Dinge lösten sich von selbst. Plötzlich ging alles leichter. Zufälle geschahen, die keine waren. Ich erfuhr Erleichterung und Verbindung, wie ich es nie zuvor tat. Seit dem habe ich eine Entscheidung getroffen: Ich möchte mich jeden Tag aufs Neue entscheiden und bewusst JA anstatt NEIN zum Leben sagen.

Selbst zu den größten Schatten sage ich HALLO und heiße sie willkommen, denn ich bin sehr dankbar, mit diesem wunderbaren Leben beschenkt zu sein, das ich führe. Ich merke immer öfter, wenn ich mein JA verliere und sich das NEIN in meine Worte und Handlungen einschleicht. In solchen Negativschleifen fühle ich mich als Opfer, beschwere mich, beklage mich, bin unsicher, beschuldige andere und mag mich nicht. Sobald ich das merke, kehre ich zurück. Ich wähle Liebe anstatt Angst. Positivität anstatt Negativität. Vertrauen anstatt Sorgen. Ich wähle den gegenwärtigen Moment, anstatt in alte Muster aus der Vergangenheit zu fallen. Dann denke ich einen Gedanken buchstäblich noch mal ganz von vorn und spreche ihn erneut aus. Es gelingt mir bei Weitem nicht immer. Aber wenn es funktioniert, bin ich zutiefst glücklich. Dann habe ich das Gefühl, mein Leben in der Hand zu halten und Yoga zu leben. Zwei meiner Lieblingsübersetzungen von Yoga sind „geschicktes Handeln“ (Bhagavad Gita) und „Die Zügel in die Hand nehmen“ (Anna Trökes).

Wir haben die Möglichkeit, in jedem Augenblick zu wählen, wie wir auf unser Leben schauen. Wenn wir uns in einer positiven Stimmung befinden, ziehen wir Positives an. Dinge, die wir uns wünschen treten ein und kommen auf uns zugeflogen. Wir sind im Flow. Eine der Grundüberzeugungen im Yoga ist, dass wir uns die Welt, so wie wir sie sehen, selbst erschaffen. Wir nehmen die Wirklichkeit durch unsere eigene Brille wahr. Wir entscheiden also selbst, welche Farbe unsere Welt annimmt.

Es ist ein sehr hoch gestecktes Ziel, permanent positiv und in Liebe verbunden zu sein. Dann wären wir erleuchtet! Viel wichtiger finde ich es, sich darüber bewusst zu werden, welche Brille wir gerade auf haben, in welcher Stimmung wir uns befinden und was wir entsprechend ausstrahlen und anziehen. Erst dann haben wir die Freiheit, uns Schritt für Schritt davon zu lösen und neu auszurichten.

Genauso haben wir in unsere Asanapraxis die Wahl. Wir können uns positiv ausrichten, oder nicht. Mit einer einfachen Bewegung können wir zum Beispiel unser Brustbein heben, anstatt Brustkorb und Schultern einfallen zu lassen. Es kostet Arbeit, die Muskeln zu dehnen und zu längen (genauso wie es Arbeit kostet, die eigenen Gefühle und Emotionen zu lenken), aber es ist möglich. Der Schlüssel dafür ist die Intention: Sich in jeder Haltung daran erinnern und wählen: übe ich mit offenem Herzen oder verschlossenem Oberkörper?

Yoga spricht in der Regel Bände, ohne viele Worte. Nach einer Rückbeugenpraxis, in der wir genau diese innere und äußere Haltung der Offenheit und Positivität einnehmen (Element Luft), fühlen wir uns extrem gut. Dieses Gefühl können wir uns über die Stunde hinaus bewahren, wenn wir immer wieder den Brustkorb im Alltag öffnen und uns für Weite entscheiden, anstatt Enge.

Und was ist bei all der Positivität mit den negativen Emotionen, die da sind und die bleiben wollen? Es geht nicht darum, sie zu verdrängen oder schön zu malen – dann werden sie immer wieder kommen. Sie wollen erhört werden. Wir können uns hinsetzen, meditieren und schreiben. Sie wahrnehmen und zulassen. Sie benennen und einladen, „mit uns an einem Tisch zu sitzen“, wie es Katchie Ananda sagen würde. Dann werden sie ihre Kontrolle über uns mit der Zeit verlieren. Die unangenehmen Gefühle können da sein, aber sie beherrschen uns nicht mehr.

 

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