Über die Liebe zweier Berufungen: Yoga und die Künste

Marijana Savovska in Tanztheaterproduktion „Höchst Motiviert“ von Regina Semmler, Theater Belaqua, Wasserburg, 2011. Fotos: Heidi Schmidinger.
Marijana Savovska in Tanztheaterproduktion „Höchst Motiviert“ von Regina Semmler, Theater Belaqua, Wasserburg, 2011. Fotos: Heidi Schmidinger.

Immer wieder begegnen mir Yogalehrerinnen, die gleichzeitig Tänzerinnen, Performance- oder Konzeptkünstlerinnen sind. Musiker, Schauspieler, Designer oder Autoren, die neben ihren künstlerischen Tätigkeiten Kundalini-, Jivamukti- oder Anusara Yoga unterrichten, gibt es fast schon wie Sand am Meer. Bekannte Persönlichkeiten gehen mir durch den Kopf: Sharon Gannon und David Life, Dechen Thurman, Elena Brower, MC Yogi. Wie sieht es aus, wenn Yogalehrer Künstler sind und umgekehrt? Drei Kurzporträts über unterschiedlichste Menschen, die beide Leidenschaften auf inspirierende Weise vereinen..

Marijana Savovska – „Wir tanzen immer, alle“

Nach einem Jahrzehnt staatlicher Ballettschule in Mazedonien, fand sich Marijana Savovska zur richtigen Zeit am richtigen Ort wieder. Ohne zu wissen, was sie erwartete, begann sie zeitgenössischen Tanz an der Salzburg Experimental Academy of Dance zu studieren. Die Gründerin der Akademie, Susan Quinn, war Vorreiterin darin, Yogaunterricht in die Tanzausbildung einfließen zu lassen. Damals eröffnete sich Marijana Savovska, die heute Yogalehrerin, Tänzerin und Choreografin in Berlin ist, eine neue Welt.[1] Im Yoga und im Tanz fand sie den individuellen Ausdruck, den sie im klassischen Ballett vermisst hatte: „Wie bewege ich mich? Wo habe ich Rücken- und wo Gegenwind? Welche Reaktionen ziehen meine Handlungen nach sich?“[2] Egal, ob sie gerade auf der Bühne steht, oder nicht, das Tanzen wird für Marijana Savovska nie aufhören. Denn für die hingebungsvolle Vollzeit-Yogini ist das ganze Leben ein Tanz.

Chris Chavez – „Healthy music career & rockin‘ yoga practice“

Auf seiner Homepage sieht man den um die Welt tourenden Yogalehrer und Musiker mit freiem Oberkörper, nur in Jeans bekleidet, in einer tiefen Rückbeuge kniend. Über seinem Kopf hält er eine Gitarre, die über seiner Wade schwebt. [4] Chris Chavez gibt weltweit ausverkaufte Teacher Trainings und Konzerte. Sein letztes Album „The Observer“ produzierte Clif Norrell, der Sting und REM herausgebrachte. Chris nennt seine eigene Musik „Conscious Acoustic Rock“[5]. Der Mann, der auf den ersten Blick so wild aussieht, hat eine bedachte und in sich ruhende Seite an sich. Seine Musik scheint ehrlich, bewusst und klar. Sein Yoga voller Leichtigkeit. Die Messages seines Lebens strömen durch die Klassen, die er unterrichtet und die Songs, die er singt, als sei es das natürlichste der Welt: „Live your truth, be healthy and happy, whatever form that takes.“[6]

Natalie Goldberg – „Shut up and write“

Die Amerikanerin ist Dichterin, Malerin, Bestsellerautorin und Lehrerin. „Yoga“ weite ich in ihrem Falle aus auf Meditation, Buddhismus und Zen, denn das sind Natalie Goldbergs Wurzeln. Sie bringt seit 35 Jahren Menschen in ihren Retreats zum Schreiben. Den Stift oder das Notebook in die Hand zu nehmen, ist für sie nur ein Teil der Übung. In ihren „The True Secret of Writing“ Seminaren unterrichtet sie drei Dinge: „Sit. Walk. Write“[7]: Achtsamkeit, Schweigen, die Gedanken aus strömen lassen, sie annehmen, mit sich selbst in Verbindung kommen und Ausdruck finden. Ihre Devise ist: wenn Du schreiben willst, dann schweige, meditiere und lebe. Für die humorvolle Frau voller Weisheit und Anekdoten sind Schreib-, Meditations- und Lebenspraxis untrennbar miteinander verschmolzen.

Die Kunst, zu leben

Was alle Drei verbindet, ist das Leben an sich: Niemals lassen sich Yoga und die Künste – sei es Tanz, Musik oder kreatives Schreiben – von unseren Sinnen, unseren Körpern und unseren Lebensinhalten trennen. Ob wir Yoga und Kunst unterrichten, praktizieren oder rezipieren – es geht um Lebendigkeit.

Wieso das so ist und was genau für mich die Verbindung von Yoga und Kunst bedeutet, erfährst Du in meinem ausführlichen Artikel, der in Kürze erscheinen wird…

[1] http://yogama.berlin

[2] Gespräch zwischen Lisa Sintermann und Marijana Savovska am 11.03.2015

[3] a.a.O.

[4] http://chrischavez.com/music/

[5] a.a.O.

[6] Video: „Who’s Yoga? Chris Chavez“: https://www.youtube.com/watch?v=enbbd3ix_aE

[7] Goldberg, Natalie (Hg) (2013): The True Secret of Writing, New York: Atria Books.

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